Das interessiert SAP-Berater – Top10 Beiträge bei thinkdoforward.com

Immer wenn ich einen neuen Beitrag poste, hoffe ich natürlich, dass der Beitrag hilfreich ist und dass er von möglichst Vielen gelesen wird. Seit ich über SAP schreibe und hier veröffentliche, bin ich überrascht, welche Themen ankommen und welche nicht. Um einen Eindruck zu vermitteln, welche Themen Interesse wecken und die meisten Aufrufe haben, hier die Liste der Top10 Beiträge bei thinkdoForward.com der letzten 30 Tage:

 

TOP10 Beiträge bei thinkdoforward.com:

 

#10 WLF_IDOC: Die Zauber-IDoc-Transaktion, die die WE02, WE09 und BD87 altaussehen lässt.

 

#09 Versandstellenfindung SAP-SD – einfach und übersichtlich erklärt

 

#08 102 MM-Tabellen – die Übersicht für SAP-Cracks

 

#07 Vergiss SE16 / SE16N … es lebe die SE16H

 

#06 SAP Parameter-IDs – Geheime SAP-Funktionen aktiveren und mehr Zeit fürs Wesentliche.

 

#05 SD-Transaktionen: Diese Liste kennen erfolgreiche SD-Berater.

 

#04 Der ultimative SD-Überblick anhand von 23 Funktionen

 

#03 12 IDoc-Tricks, mit denen du einen bleibenden Eindruck beim Kunden hinterlässt.

 

#02 29 SAP-GUI Features, die SAP-Berater kennen müssen!

 

#01 65 wichtige SD-Tabelle, die rocken.

 

cu, Isa.

SAP-Tabellen finden – eine minimalistische Anleitung

Die Datenbank bildet neben der Programmlogik (ABAP) und dem GUI das Rückgrat eines SAP-Systems. Und die Datenbank besteht aus einer Massen an unterschiedlichen Tabellen, in denen jeder Beleg, jedes Stammdatum, jede Aktion akribisch abgespeichert wird. Die Kenntnis der einzelnen Tabellen und deren Zusammenhänge gehört zu den technischen Kern-Skills eines SAP-Beraters – und um es auf den Punkt zu bringen: Wenn ich ehrlich bin, ist wohl der Tabellen-Browser (SE16 oder SE16N oder SE16H) meine meist genutzte Transaktion im SAP.

Natürlich kennt man mit den Jahren eine Unmenge an gängigen und nicht so gängigen SAP-Tabellen. Die Grunddaten zum Materialstamm sind natürlich in der Tabelle MARA zu finden, die Positionsdaten zum Kundenauftrag sind in der VBAP oder die Änderungsprotokolle kann man aus den Tabellen CDHDR / CDPOS ermitteln. Doch trotz dessen sieht man in einer Transaktion, einer Liste oder einer Auswertung einen Wert, ein Feld und fragt sich, in welcher Tabelle ist dieser abgelegt. Zur Ermittlung einer konkreten Tabelle gibt es folgende drei Ansätze:

 

#1 Tabelle über technische Infos ermitteln

Dieser Ansatz ist die einfachste und gängigste Methode eine Tabelle zu ermitteln und funktioniert im Detail wie folgt: Beispielsweise willst du ermitteln, in welcher Tabelle die Versandbedingungen zum Kundenauftrag abgelegt sind:

# Öffne mit der Transaktion VA03 irgendeinen Kundenauftrag

# Springe über die Menüleiste in den Kopf-Versandbereich: Springen -> Kopf -> Versand

# Leg nun den Mausfokus auf das Feld Versandbedingung (einmal rein klicken)

# Jetzt einfach auf F1 drücken und anschließend auf den Button „Technische Info“ klicken

# Im nächsten Screen sieht man im Feld Tabellenname: VBAK, Tabellenart: Transparente Tabelle und darunter Feldname: VSBED, d.h. die Versandbedingungen zum Kundenauftrag sind in der Tabelle VBAK und hier im Feld VSBED zu finden.

 

#2 Tabelle über Verwendungsnachweis ermitteln

Bei einigen Feldern im GUI funktioniert der oben beschriebene Ansatz nicht, da hier vor der Ausgabe die Feldinhalte aus der konkreten DB-Tabelle in eine interne, temporäre Struktur gepackt werden. Ein gutes Beispiel ist hier das Feld Warenempfänger (oben im Einstiegsbild eines Kundenauftrags – VA03).
Wenn man auf dieses Feld die oben beschriebenen Schritte anwendet, dann erhält man als Tabellennamen: KUWEV und Tabellenart: Struktur und Feldname: KUNNR. Die Tabellenart Struktur kennzeichnet, dass man sich die Daten KUWEV nicht per Tabellen-Browser anschauen kann. Hier kann man aber wie folgt vorgehen, um die gesuchte Tabelle zu ermitteln:

# Aus den „Technischen Infos“ in das Feld Datenelement doppelklicken: In unserem Beispiel: KUNWE

# Hier gelangt man in die Detailansicht des Datenelements KUNWE

# Von hier aus muss man mit dem Button Verwendungsnachweis nach den Tabellen suchen, in denen das Feld/Datenelement KUNWE abgelegt ist -> also hier auf den Button mit den Pfeilen klicken (das fünfte Button in der Navigationsleiste.

# Im nächsten Screen „Verwendungsnachweis Datenelement“ nur die Auswahl „Tabellenfeldern“ aktiveren und Enter

# Jetzt bekommt man eine Liste an Tabellen angezeigt, in denen der Warenempfänger zum Kundenauftrag abgelegt ist. Als versierter SD-Berater wird man wissen, dass die Belegtabellen zum Kundenauftrag mit VB beginnen. Damit kann man sich gezielt diese Tabellen ansehen.

 

#3 Tabelle über SQL-Trace ermitteln

Ein anderer Ansatz um eine bestimmte Tabelle zu ermitteln ist es den SQL-Trace (Tx. ST05) zu nutzen.

 

Anwendungsfall: Mit der Transaktion MASS kann man für eine Reihe von Objekten (Kostenstelle, Kundenauftrag, etc.) Massenänderungen durchführen. Wenn man die Transaktionen MASS startet, kann man über das Feld Objekttyp das Objekt auswählen (F4), dass man ändern will. Ich will nun mit Hilfe des SQL-Trace die Tabelle ermitteln, in der die Texte zu den BUS-Objekte zur Massenpflege-Transaktion abgelegt sind.

#1 Zunächst musst du eine 2 SAP-GUI-Modi öffnen. Im ersten Modus startest du die Transaktion ST05 und im zweiten Modus die Transaktion MASS

#2 Jetzt startest du im ersten Modus den Trace gemäß der oberen Selektion, in dem du auf den Button „Trace einschalten“ klickst (links oben)

#3 Im nächsten Schritt gehst du in den zweiten Modus (Tx. MASS) und öffnest im Feld Objekttyp die Eingabehilfe (Matchcode – F4)

#4 Nun wieder in den ersten Modus (ST05) springen und auf den „Trace ausschalten“ Button klicken.

#5 Anschließend auf den „Trace anzeigen“ Button klicken und den nächsten Screen einfach per F8 ausführen.

#6 Jetzt kommt die Musik: Hier sind nun alle SQL-Anweisungen aufgelistet, die während des Traces aufgezeichnet wurden.

##6.1 In der Spalte Objektname sind die Tabellen aufgelistet, die durchlaufen wurden

##6.2 In der Spalte Anweisung ist die Select-Anweisung dargestellt, die genutzt wurde; durch Doppelklick ins Feld gelangt man in die Details

#7 By the way – unsere gesuchte Tabelle – Texte zu den BUS-Objekten – ist hier in der Liste die Tabelle MASSNAME

 

Unternehmen müssen in Zukunft viel mehr in SAP-Weiterbildung investieren – Andreas Unkelbach im Interview

Andreas Unkelbach, Buchautor und SAP-CO Inhouse-Berater im TDF-Interview

 

TDF: Hallo Herr Unkelbach, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für Interview genommen haben. Über ihre Internetseite (www.andreas-unkelbach.de) und über ihr Xing-Profil kann man erfahren, dass ihr SAP-Fokus auf den Bereich Controlling liegt. Wie sind Sie an das Thema Controlling gekommen, wie war ihr Einstieg in dieses Thema?

Andreas Unkelbach: Durch meine Studienschwerpunkte Wirtschaftsrecht und Wirtschaftsinformatik hatte ich meinen ersten Kontakt mit SAP über die Vorlesungen „Standardsoftware – Rechnungswesen/ Controlling, Logistik und HR“. Im Laufe meines weiteren Studiums stellte sich für mich die Frage, wo mache ich mein berufspraktisches Semester. Zunächst war meine erste Idee für ein juristisches Internetportal zu arbeiten. Doch letztlich habe ich mich für eine Stelle direkt an der Hochschule entschieden, woraus sich die Möglichkeit für die Diplomarbeit ergab und anschließend meine erste Anstellung im Bereich Controlling in der Haushaltabteilung.

 

Tdf: Damit haben Sie direkt schon während ihres Studiums mit dem Thema SAP-Controlling angefangen?

Andreas Unkelbach: Nee, nicht ganz … zunächst war mein erster richtiger Kontakt in der aktiven Arbeit mit SAP meine Diplomarbeit. Hier lag der Fokus auf dem Berechtigungswesen, und genau beim Thema Berechtigung bekommt man einen umfassenden Blick auf viele Module. In meiner weiteren Entwicklung hat sich dann für mich herauskristallisiert, dass mein persönlicher Fokus auf dem Controlling und dem Berichtswesen liegen, wobei letzteres eine echte Herzensangelegenheit von mir ist.

TDF: Damit hatten Sie ja einen recht stringenten und quasi bruchlosen Übergang vom Studium ins SAP-Berufsleben. Wie bewerten Sie persönlich ihren Werdegang; hätten sie rückblickend etwas anders gemacht?

Andreas Unkelbach: Nach dem Studium hatte ich kurz mit dem Gedanken gespielt in die Beratung zu gehen, doch letztlich habe ich mich dagegen entschieden und habe die Stelle als Inhouse-Berater angetreten. Rückblickend war das genau die richtige Entscheidung, da ich als Inhouse-Berater immer eine große Vielfalt an Themen habe, an denen ich arbeiten kann – als externer Berater ist man hier mehr auf Spezialthemen fokussiert.

 

TDF: Hätten Sie hierzu ein Beispiel, wie die Themenvielfalt aussieht.

Andreas Unkelbach: Ja … das Paradebeispiel ist hier, dass ich an der Hochschule die Möglichkeit habe übergreifend in mehreren Bereichen zu arbeiten oder in Arbeitsgruppen des Competence Center Hessische Hochschulen. Das Competence Center arbeitet fokussiert nur in einem Modul, aber dann wieder übergreifend über alle Hochschulen des Landes Hessen.

 

TDF: Das Thema, dass alle Hochschulen in diesem Bereich so eng vernetzt sind, hört sehr interessant an – hier ergeben sich doch sicherlich Synergien, die sich auf alle Hochschulen positiv auswirken?

Andreas Unkelbach: Natürlich ergeben sich Synergien – hier würde ich aber besonders hervorheben, dass man sich durch die Arbeit mit anderen Hochschulen ein recht großes Netzwerk aufbaut, auf das man jederzeit zurückgreifen kann.

 

TDF: Als ich mir ihre Vita genauer anschaute, erkennt man doch den fachlichen roten Faden, dass Sie viel im Bereich Controlling und Berichtswesen unterwegs sind. Woher stammt ihre Begeisterung für die Themen?

Andreas Unkelbach: Ganz einfach … für mich ist es einer der kreativsten Tätigkeiten, an denen man im SAP arbeiten kann; und zusätzlich kommt hinzu, dass man mit Controlling sehr breit ausgestellt ist. Man greift im Controlling sowohl auf Logistik-, FI- als auch HCM-Daten zurück und hat die Aufgabe zu lösen, den Anwendern oder dem Management aussagekräftige Daten zur Verfügung zu stellen.

 

TDF: Können Sie uns hier ein Beispiel nennen, wo ihre Kreativität gefordert wird?

Andreas Unkelbach: Momentan arbeite ich an der Aufgabe Finanzdaten aufzubereiten und den Usern zur Verfügung zu stellen. Hier stellen sich konkret die Fragen, welche Daten können den Anwendern helfen, und wie können wir die Daten aus verschiedenen SAP-Modulen möglichst per Knopfdruck bereitstellen. Wir haben hierzu mit mehreren Kollegen zunächst an einem Konzept gearbeitet und im Anschluss an einer möglichst kreativen Umsetzung des Konzeptes.

 

TDF: Das bedeutet, ihr Fokus liegt hier in der Umsetzung des Konzeptes – dafür „brennen“ Sie?

Andreas Unkelbach: Richtig, das ist das, was mich am meisten fasziniert … wie bekomme ich am geschicktesten hin, die Daten so zu kombinieren, obwohl sie im Grunde nicht zusammenhängen.

 

TDF: Welche konkreten Tools setzen Sie ein, um die Anforderungen umzusetzen?

Andreas Unkelbach: Im Grunde greife ich auf folgende 3 Tools zurück: Reportwriter, Rechercheberichte und SAP Query. Diese Themen haben mich dabei so sehr gefesselt, dass meine zweite Publikation genau dem Thema Berichtwesen gewidmet ist.

TDF: Ihr Buch zum Thema Berichtswesen ist ja mittlerweile ihre zweite Publikation; wie sind Sie dazu gekommen, Bücher zum Thema SAP-Controlling zu veröffentlichen?

Andreas Unkelbach: Das Projekt ist durch mein eigenes Blog ins Rollen gekommen. Über diesen ist der Verlag auf mich aufmerksam geworden und hat bei mir angefragt, ob ich Interesse an einer Veröffentlichung hätte. Mein erster Gedanke war: Ohhh … großes Thema. Aber ich wusste durch meine Frau, wie positiv sich so eine Veröffentlichung machen kann. Also habe ich mir gedacht, probieren wir es einfach mal. Daraufhin hat mir der Verlag eine Vorlage für ein Buchkonzept mit der Themenvorgabe für ein Einsteigerbuch in CO zu geschickt. Ich habe hierauf dem Verlag meine inhaltlichen Vorstellungen mitgeteilt. Dieser wollte aber im Buch weitere Themen (u.a. Produktkosten-Controlling) behandelt haben. Hier musste ich aber passen, da ich mich in der gegebenen Zeit nicht in die Themen einarbeiten konnte. Hier kam mein Co-Autor Martin Munzel ins Spiel, der vom Verlag vorgeschlagen wurde. Damit haben wir uns das Buch aufgeteilt; Herr Munzel hat die Teile CO-PC und CO-PA übernommen und von mir kam der Anteil CO-OM und das Konzept des Buches.

 

TDF: Was waren Höhen, Tiefen bzw. die Herausforderung beim Schreiben ihres Buches?

Andreas Unkelbach: Primär empfand ich es als die größte Herausforderung den vorgegebenen Zeitplan einzuhalten, was eine ungemeine Disziplin erforderte. Dieser war auf 1 Jahr angesetzt, und ich konnte damals nicht abschätzen, was dieses Jahr bedeutet. Fragen, die mir durch den Kopf gingen, waren: Wie lange werden die einzelnen Phasen dauern, wo kann man sich verheddern, wie lange werden einzelne Kapitel dauern. Als zusätzliche Herausforderung kam hinzu, dass ich neben dem Schreiben auch das Customizing für das System durchführen musste. Ein IDES-System stand uns zur Verfügung, aber trotz dessen, musste ich ein Grund-Customizing aufbauen, dass als Grundlage für das Buch diente.

 

TDF: Und wie ist es in der Praxis ausgegangen; konnten Sie sich an den Zeitplan halten?

Andreas Unkelbach: Hier habe ich mir im Kalender tatsächliche feste Termine gesetzt und versucht diese einzuhalten. Natürlich gab es Passagen, wo ich für zwei bis drei Seiten 4-6 Stunden geschrieben habe, aber letztlich ist doch alles gut ausgegangen.

 

TDF: Wie war das Feedback zum Buch, nachdem es dann veröffentlich wurde?

Andreas Unkelbach: Zu meinem Buch habe ich durchgängig positive Resonanzen erhalten. Das Buch war in 2 Amazon-Kategorien (SAP und Controlling) Bestseller. Auch in meiner täglichen Arbeit ist es gut angekommen. Letztlich habe ich jetzt mit dem Satz „… wie ich schon in einem Buch ausgeführt habe …“ ein unschlagbares Argument in der Tasche, das ich tatsächlich einmal eingesetzt habe (lacht). Natürlich steigert eine Publikation die Bekanntheit ungemein – vor allem in Fachforen (bspw. FICO-Forum in Köln). Aber auch ein kleiner, recht umstrittener Aspekt meines Buches, hat zur Bekanntheit beigetragen: Das Cover mit den Erbsen – nach dem Motto: Controller die Erbsenzähler. Das Cover wurde zunächst kontrovers diskutiert, aber letztlich assoziieren viel Leute mich direkt mit dem Cover.

TDF: Aus ihrer Perspektive und Expertise heraus betrachtet, was sind die Trendthemen in den nächsten fünf bis zehn Jahren in Bereich SAP-Controlling?

Andreas Unkelbach: Es wird in den nächsten Jahren zu einer verstärkten Integration der Systeme kommen. Das sieht man jetzt schon an den Themen Universal Ledger und S/4HANA. Sehr konkret zeichnet sich diese Entwicklung mit der neuen Tabelle ACDOCA ab, die mit S/4HANA nicht nur im Bereich Controlling zum Einsatz kommt. Mit der ACDOCA werden die Informationen aller Hauptbücher und Nebenbücher in einer Tabelle gehalten. Das bringt natürlich Vorteile, aber auch Herausforderungen – in Zukunft müssen sich Controller intensiv Gedanken machen, wie sie ihr Berichtswesen mit diesen Möglichkeiten gestalten. Als weiteres Thema sehe ich das neue Semantic Tagging, mit dem man gewisse Kennzahlen übergreifend definieren kann. Auch hier wird man eine positive Entwicklung im Reporting erleben, sofern man sich damit beschäftigt. Letztlich hat das Thema maschinelles Lernen im Kombination mit der Prognose ein enormes Entwicklungspotential. Hier werden wohl betriebswirtschaftliche Standardsoftanbieter nicht hintenanstehen wollen und ihre Entwicklungen entsprechend vorantreiben.

 

TDF: Sehen Sie neben diesen Themen weitere Entwicklung, die unser direktes Arbeitsumfeld beeinflussen?

Andreas Unkelbach: Ein sehr wichtiger Trend wird sein, dass die Mitarbeiter in Zukunft viel intensiver geschult und weiterentwickelt werden müssen. Gerad mit den anstehenden technischen Veränderungen im SAP-Umfeld müssen die User auch in die Lager versetzt werden, die neuen Möglichkeiten auszuschöpfen – hier werden Unternehmen um das Thema Schulung nicht herumkommen. Natürlich müssen auch die Mitarbeiter vermehrt die Bereitschaft mitbringen sich weiterzubilden.

TDF: Vielen Dank für das Interview.

 


Andreas Unkelbach, Buchautor und Inhouse SAP CO-Berater (www.andreas-unkelbach.de)

 

S/4HANA konkret … das ändert sich fürs SD-Modul.

Kennst du den Unterschied zwischen einer Revolution und einer Evolution? Beide Punkte haben folgendes gemeinsam: Es geht um Veränderung / Anpassung des Status Quo an veränderte Rahmenbedingungen. Die Revolution passiert abrupt, mit einem Knall, explosionsartig und fordert vielfach kollateralen Schäden. Die Evolution hingegen geschieht langsam und angepasst. Sie ist kaum spürbar, aber trotzdem zielgerichtet. Nun zur großen Frage: Ist S/4HANA eine Revolution oder eine Evolution? Wenn ich mich für eine Antwort entscheiden müsste, würde ich S/4HANA eine Revolution nennen. Denn S/4HANA ändert mit einem Knall die komplette Systemgrundlage, steigert die Systemperformance von einem Tag auf den anderen und bringt aber auch kollateral Schäden mit sich, mit denen umgegangen werden muss. Was sich nun mit S/4HANA tatsächlich ändert, habe ich mir mal im Detail für das SD-Modul angeschaut und im Folgenden kurz zusammengefasst:

 

Veränderungen des SD-Moduls mit S/4HANA

#1 Die Rolle „Sales Assist“ steht nicht mehr zur Verfügung

Die Rolle „Sales Assist“ mit seinen zugehörigen Funktionen und Transaktion ist SAP ERP zugeschnitten für die Mitarbeiter, die eng mit Außen-Vertriebsmitarbeitern zusammenarbeiten. Diese Rolle und damit auch die Transaktionen VPW1 und VPWL fallen mit S/4HANA weg. Stattdessen soll an dieser die FIORI Rolle SAP_BR_INTERNAL_SALES_REP genutzt werden (weitere Details kann man in der SAP Note 2223838 nachlesen).

 

#2 WebShop und Internet Sales werden mit S/4HANA ersetzt

Wer mit dem SAP ERP den WebShop und weitere E-Commerce-Lösungen nutzt, die auf Internet Sales basieren, wird sich umstellen müssen. Auch diese Funktionen sind in S/4HANA nicht enthalten. Hier empfiehlt SAP auf Hybris-Lösung zu schwenken.

 

#3 SAP Commodity Management wird deaktiviert

Mit dem Commodity Management bietet SAP im Rahmen seines ERP-System eine Komponente, um die Prozesse rund um das Geschäft mit Rohstoffen (Holz, Weizen, Öl, Kohle, …) abzuwickeln. Die Vertriebskomponente des Commodity Management wird mit S/4HANA weitestgehend technisch deaktiviert. Aktuell wurde von der SAP hier auch keine Alternative angekündigt.

 

#4 SD-CAS geht in SAP CRM on-premise auf

Wenn ihr bis jetzt die Vertriebsunterstützungsfunktion von SAP ERP (ERP-CRM) genutzt habt, müsst ihr komplett umschwenken. Diese Funktionen werden für S4/HANA nicht mehr zur Verfügung stehen; damit fallen auch die bspw. folgenden Transaktionen weg: VC/1, VC/2, VC_2, etc. Als Alternative bietet SAP ihre neue CRM-Lösung SAP CRM on-premise an, die auch als Cloud-Variante genutzt werden kann.

 

#5 Neue Funktion BRF+ für die Nachrichtenfindung

Mit S4/HANA pusht SAP ihre neue „eierlegende Wollmilchsau“ BRF+; das Kürzel steht für Business Rule Framework plus und soll neben der Nachrichtenfindung, die bis jetzt mittels Konditionstechnik gesteuert wurde, auch viele User-Exit obsolet machen. Doch gerade beim Thema Nachrichtenfindung mit S/4HANA macht SAP mit der aktuellen S/4HANA-Version 1709 einen Schritt zurück. Wo es in vorherigen Versionen noch hieß, dass mit S4/HANA die Nachrichtenfindung für neue Fakturaarten ausschließlich per BRF+ eingestellt werden sollte, ist dies nun mit 1709 wieder offen, d.h. man kann sich per Customizing-Einstellung entscheiden, ob man BRF+ oder die Konditionstechnik nutzt. Ein entscheidender Nachteil der Nachrichtenfindung per BRF+ ist, dass ausschließlich „tatsächliche“ Ausgaben unterstützt werden. Damit fallen mit BRF+ die Sendemedien 8-Sonderfunktionen / 9-Events / A-ALE / T-Aufgaben weg. Ich kann mir gut vorstellen, dass SAP hier den Schritt zurück gemacht hat, gerade weil diese Sendemedien weggefallen sind und damit einhergehend nicht unerheblicher Widerstand von den Kunden entstanden ist.

 

#6 SD-Bonusabwicklung fällt weg

Vergleichbar zum Commodity Management, fällt mit S/4HANA die komplette Bonusabwicklung weg – d.h. Transaktionen wie VBO1 oder VB(D stehen nicht mehr zur Verfügung. Doch im Gegensatz zum Commodity Management bietet hier SAP die Möglichkeit die Funktionen der Bonusabwicklung per Settlement Management abzuwickeln.

Übrigens: Kann man per SE16 recht einfach im System ermitteln, ob die Bonusabwicklung eingesetzt wird oder nicht: Wenn in der Tabelle KONA Einträge mit ABTYP=A vorhanden sind, dann wird die Bonusabwicklung genutzt.

 

#7 Verschiedene kleinere Änderungen im Bereich SD

Mit S/4HANA „räumt“ SAP auch im Bereich SD-Reports, SD-FuBas und SD-Transaktionen auf. Die komplette Liste der Änderungen kann man in SAP-Hinweis 2228098 nachlesen (keine Angst – so viele Änderungen sind es nicht: In Summe 31 Änderungen). Hier ein kleiner Überblick der Änderungen:

# Funktionsbaustein

## BAPI_BILLINGDOC_CANCEL wird ersetzt

## BAPI_BILLINGDOC_IS_CANCELLED fällt weg

#Reports

## RV130001 wird ersetzt

## SDVBKADL fällt weg

# Transaktion

## VA05N fällt weg; stattdessen soll VA05 genutzt werden

## VA45N fällt weg; stattdessen soll VA45 genutzt werden

 

#8 WCMP_PROCESSING geht komplett in CMP_PROCESSING auf

Mit S/4HANA geht SAP auch beim Thema Reklamationsabwicklung den konsequenten Weg der Vereinheitlichung und ersetzt die Industrie-Spezifische Reklamationsabwicklung WCMP_PROCESSING wird durch die CMP_PROCESSING; damit fallen konkret folgende Transaktionen weg: WCMP_PROCESSING / WCMP_MASS / WCMP_RESULT

 

#9 Änderung an der SD-Datenstruktur (Tabellen)

Neben Änderungen an konkreten Funktionen und Transaktionen bringt S/4HANA auch eine Reihe von Änderungen an den bekannt SD-Tabellen mit sich; dabei fallen vielfach Tabellen weg bzw. die Struktur ändert sich – im Konkreten:

# Folgende SD-Tabellen fallen weg:

## VAKPA, VAPMA, VLKPA, VLPMA, VRKPA, VRPMA – wegen performanter HANA-DB, keine Index-Tabellen mehr nötig.

## VBUK, VBUP – Die Status Informationen werden in S/4HANA direkt in die jeweiligen Belegtabellen geschrieben: VBAK, VBAP, LIKP, LIPS, VBRK

## Weitere Tabellen, die wegfallen: VBOX, S066, S067

# Folgende Tabellenstruktur wird geändert

## Die Struktur der Belegflusstabelle VBFA ändert sich; bspw. wird das Feld VBTYP (Char1) durch das Feld VBTYPL (Char4) ersetzt.

## In vorhergehenden S/4HANA-Versionen wurden in der Belegfluss-Tabelle VBFA nur direkte Belegbeziehungen gespeichert; ab S/4HANA Version 1709 werden auch indirekte Belegbeziehungen gespeichert. Hierzu wurde die Tabelle VBFA um das neue Feld STUFE erweitert.

# Änderungen am Datenmodell der Preisfindung

## Der Beleg Konditionswert-Tabelle KONV, in dem die Ergebnisse der Kondition sowohl für Bestellungen als auch Kundenaufträge abgelegt sind, wird durch die Tabelle PRCD_ELEMENTS ersetzt. Im Rahmen der Migration auf S/4HANA sollen die Inhalte der KONV automatisch auf die PRCD_ELEMENTS überführt werden.

## Die möglichen Zugriffe innerhalb einer Zugriffsfolge wurde von 99 auf 999 erweitert.

## Die Schlüsselgröße für Konditionstabellen (A-Tabellen) wurde von 100 auf 255 erhöht

## Weitere Änderungen am Datenmodell der Preisfindung können im SAP-Hinweis 2267308 nachgelesen werden.

 

#10 Beim Thema SD-Außenhandelsabwicklung muss man mit S/4HANA auf GTS setzen

Auch beim Thema SD-Außenhandelsabwicklung geht SAP eine recht konsequenten Weg und schaltet mit S/4AHANA weitestgehend (bis auf die Intrastat-Lösung) und verweist seine Kunden mit der Einführung von S/4HANA hier SAP GTS zu nutzen.

 

#11 Statt Kreditmanagement FSCM SAP Credit Management

Unternehmen, die bis jetzt das klassische Kreditmanagement einsetzen (funktionell zwischen FI und SD platziert), werden sich mit dem Wechsel auf S/4HANA umstellen müssen. Diese Funktion wird mit S/4HANA nicht mehr zur Verfügung stehen und durch das SAP Credit Management (Bestandsteil des SAP Financial Supply Chain Management innerhalb von S/4HANA) ersetzt. Hier empfiehlt es sich, sich frühzeitig mit den neuen Funktionen auseinander zu setzen, wenn man bis jetzt das klassische Kreditmanagement genutzt hat. Mit dem Wegfall des Kreditmanagements stehen auch bspw. folgende Transaktionen und Reports in S/4HANA nicht mehr zur Verfügung: F.28 / F.31 / F.32 / VKM2 / VKM3 / VKM5 / RFARI020 / RFARI030.

 

#12 Keine SD-Erlösrealisierung mehr: SAP Revenue Accounting and Reporting

Auch beim Thema Erlösrealisierung ist SAP mit S/4HANA sehr konsequent und deaktiviert alle Funktionen in diesem Bereich (bspw. deaktivierte Tx. VF42, VF43, …). Stattdessen soll an dieser Stelle diese neue Funktionen SAP Revenue Accounting and Reporting eingesetzt werden. Hierbei ist zu beachten, dass man vor der Migration auf S/4HANA die Migration der SD-Erlösrealisierung auf SAP Revenue Accounting and Reporting im SAP ERP System durchführen muss.

 

#13 Die Komponente „Erweiterte Auftragsbearbeitung und Fakturierung“ fällt mit S/4HANA weg

Die SD-Komponente „Erweiterte Auftragsbearbeitung und Fakturierung“ wird im SAP ERP vielfach im Bereich Public Sector genutzt und dient für Auftragnehmer zur optimierten Auftragsabwicklung und Fakturierung. Diese Komponente fällt mit S/4HANA komplett weg, und es ist aktuell von der SAP auch kein Ersatz geplant.

 

#Übrigens: Welche Vorteile die HANA-DB bietet, hatte ich in diesem Beitrag dargestellt:

## SAP HANA Wissen, das deine Kunden in den Bann zieht.

 

cu, Isa.