SAP Parameter-IDs – Geheime SAP-Funktionen aktiveren und mehr Zeit fürs Wesentliche.

2014 lernte ich während des Seminars „Mitarbeiterentwicklung“ (Referentin Nadja Lins – www.nadjalins.de) folgende Metapher kennen: „Wann willst du endlich eine Pipeline bauen, statt weiterhin Eimer zu schleppen.“ Diese Metapher blieb mir nachhaltig im Gedächtnis, weil sie eingängig den Gedanken Systeme zu vereinfachen, Prozesse zu optimieren oder Aufgaben zu vereinheitlichen auf den Punkt brachte. Gemäß dem Motto: „Jeden Tag einen Schritt einfacher …“ sollte man sich diese Metapher von Fr. Lins immer wieder vergegenwärtigen und sich in der täglichen Arbeit hinterfragen, ob man seine tägliche Routine nicht optimieren kann.

Im Rahmen der Arbeit mit SAP bemerkt man ziemlich schnell, dass teilweise sehr viele Klicks und Eingaben erforderlich sind, um Informationen zu ermitteln oder Daten zu erfassen/auszuwerten. Die Anzahl der Klicks wird von den Usern vielfach als Bewertungskriterium für eine Anwendung herangezogen. An dieser Stelle können Parameter-IDs Goldwert sein.

A. Aufgaben von Paramater-IDs

B. Wie kann man Parameter-IDs ermitteln und setzen?

C. Warum werden Wertvorgaben per Parameter-IDs nicht gezogen?

D. Was machen andere User? – schau dir einfach deren Parameter-IDs an

E. Liste aller Parameter-IDs

F. Ein paar hilfreiche Parameter-IDs

G. Bitte unbedingt bei zukünftigen Z-Programmen daran denken

 

A. Aufgaben von Paramater-IDs

Mit Parameter-IDs können pro User folgende Einstellungen durchgeführt werden:

# Automatisches Setzen von Festwerten bei Start einer Transaktion

## Bsp.: Verkaufsorganisation = 1000 bei Start der Transaktion VA01 – Kundenauftrag anlegen

## Parameter-ID: VKO = 1000

# Aktivierung von bestimmten Funktionen

## Bsp. Aktivierung des Buttons „Dienste zum Objekt“ für Kundenaufträge (VA02/VA03), um Anhänge zum Auftrag zu hinterlegen, IDoc-Verlinkung zu ermitteln oder über Auftragsänderungen per Mail informiert zu werden.

## Parameter-ID: SD_SWU_ACTIVE = X

# Beeinflussung von Default-maximal-Werten

## Bsp.: Warnschwelle für SP01 – Spoolliste setzen

## Parameter-ID: SP01_WARN = 500

 

B. Wie kann man Parameter-IDs ermitteln und setzen

Die oben beschriebenen Beispiele werden pro User gesetzt; damit kann jeder User seine eigenen Parameter bestimmen. Bspw. willst du erreichen, dass beim Aufruf der Tx. VL01N (Auslieferung anlegen) immer das Feld Lieferart mit LF vorbelegt ist:

# Transaktion VL01n aufrufen

# In das Feld Lieferart klicken und F1 drücken

# Hier auf das Feld „Technische Info“(rechts unten) klicken

# Jetzt einfach die Parameter-ID ermitteln: Feld-Daten -> Parameter-ID -> ALT

# Transaktion SU3 aufrufen

# Auf den Reiter „Parameter“ klicken

# Den gewünschten Parameter und den Parameterwert eingeben (ALT und LF)

# Eingaben sichern

# Damit wird immer beim Aufruf der VL01n für deinen User die Lieferart LF gesetzt.

 

C. Warum werden Wertvorgaben per Parameter-IDs nicht gezogen?

Wenn man nun das obere Prozedere für Auftragsart in der Transaktion „VA01 – Kundenauftrag anlegen“ durchführt, wird die Auftragsart (bspw. AAT = TA) beim Aufruf der Transaktion nicht gesetzt. Damit die Parameter-ID für ein Feld gezogen wird, müssen folgende 2 technische Voraussetzungen erfüllt sein:

#1 Für das Feld im Screen, für das Parameter-IDs genutzt werden sollen, muss der SET- / GET-Parameter aktiviert sein.

#2 Die Verwendung der Parameter-ID muss im Coding (Ablauflogik zum Dynpro) abgefragt werden -> ABAP-Entwicklung

 

Diese 2 Voraussetzungen kann man wie folgt prüfen, wenn man die Berechtigung für die Tx. SE51 hat:

# Zunächst zum Feld (bspw. Auftragsart in der VA01) folgende Daten ermitteln (Tx. VA01 aufrufen, Feld Auftragsart anklicken, F1 drücken und „Technische Info“ öffnen):

## Dynpro-Daten: Programmname (hier SAPMV45A) und Bildnummer (hier 0101)

## Feldbezeichnung für Batch-Input: Dynprofeld (hier VBAK-AUART)

# Jetzt die Tx. SE51 aufrufen und vorher ermittelten Programmnamen und Bildnummer eingeben

# Im Bereich Teilobjekte „Eigenschaften“ anklicken und auf Anzeigen gehen

# Folgende Reiter aufrufen: „Elementliste“ -> „Spez. Attrib.“

# Hier nun die erste Voraussetzung prüfen: Sind zum zu prüfenden Feld (hier VBAK-AUART) die SET- / GET-Parameter aktiviert – die jeweiligen Spalten müssen angehakt sein.

## Wenn diese Option nicht aktiviert sind, dann wird’s leider nichts mit der Parameter-ID

# Zweite Voraussetzung prüfen: Von hier aus auf den Reiter „Ablauflogik“ klicken

## Die Ablauflogik ist in ABAP codiert; hier muss man im Bereich „PROCESS BEFORE OUTPUT“ ermitteln, ob die Parameter-ID zum jeweiligen Feld gesetzt wird -> ABAP lesen!

Hinweis: Diesen ganzen Aufwand kann man sich natürlich sparen: Einfach Parameter-ID setzen; wenn es funktioniert gut, wenn nicht wird einer der Voraussetzungen nicht erfüllt sein 😉

 

D. Was machen andere User – schau dir einfach deren Parameter-IDs an

Ein sehr einfacher und effektiver Ansatz, um nützliche Parameter-IDs zu finden ist es, einfach zu schauen, welche Parameter-IDs andere User nutzen. Hierzu kann man seine Kollegen fragen, oder man schaut einfach im System nach:

# Transaktion SE16H aufrufen

# Tabelle USR05 eingeben

# „Ausgabe“ und „Gruppieren“ nur für die Felder Parameter-ID und Parameterwert aktiveren und ausführen (F8)

# Jetzt werden alle im System verwendeten Paramater-IDs mit den jeweiligen genutzten Parameterwerten übersichtlich aufgelistet

 

E. Liste aller Parameter-IDs

Im SAP ERP gibt es mehrere Tausend Parameter-IDs; leider habe ich noch keine umfassende Dokumentation zu den Parameter-IDs gefunden. Wer sowas hat, sollte mich unbedingt kontaktieren. Alle Parameter-IDs kann man sich mit der Tabelle TPARA anzeigen lassen.

 

F. Ein paar hilfreiche Parameter-IDs

RWLFIDOC_NEW_EXPERT

# Wert: RWLFIDOC_NEW_EXPERT=X

#Funktion: Aktiviert die IDoc-Änderungen für Tx. WLF_IDOC (>> Details)

SD_SWU_ACTIVE

# Wert: SD_SWU_ACTIVE=X

# Funktion: Aktivierung der Funktion „Dienste zum Objekt“ SD-Kundenaufträge (VA02 / VA03)

 SD_OLD_LIST_LAYOUT

# Wert: SD_OLD_LIST_LAYOUT=X

# Funktion: Aktiviert für die Anzeige der Selektionsergebnisse der VA05 (Liste Kundenaufträge) die alte Anzeige

 SE16N_SORTFIELD

# Wert: SE16N_SORTFIELD=X

# Funktion: Aktiviert zu den Selektionsergebnissen der SE16N ein zusätzliches Sortierfeld.

 LE_VL10_USER_VARIANT

# Wert: LE_VL10_USER_VARIANT=Selektionsvariante; diese muss innerhalb der VL10 vorher angelegt sein

# Funktion: Die gesetzte Variante wird als Standardvariante gezogen

# Bemerkung: Weitere Varianten zum Thema VL10 oder LE können in der Tabelle TPARA ermittelt werden.

SE16N_MAXLINES

# Wert: SE16N_MAXLINES=Ganzzahl (bspw. 1000)

# Funktion: Setzt die Voreinstellung für maximale Treffer der SE16N

# Bemerkung: Weitere Parameter für die SE16N können in der Tabelle TPARA ermitteln werden

MMBE_ME

# Wert: MMBE_ME=“Mengeneinheit“ (bspw. ST)

# Funktion: Setzt die Anzeigemengeneinheit für die Tx. MMBE

WE19_IDOCTYP

# Wert: WE19_IDOCTYP=IDoc-Basistyp (bspw. DELVRY07)

# Funktion: Vorbelegung des Basistyp zur Transaktion WE19

SP01_WARN

# Wert: SP01_WARN=Ganzzahl (bspw. 1000)

# Funktion: Vorbelegung des maximal Werts für Warnmeldung der SP01

# Bemerkung: Weitere Parameter-IDs zur SP01 können in der Tabelle TPARA ermittelt werden

VKO

# Wert: VKO=Verkaufsorganisation (bspw. 1000)

# Funktion: Vorbelegung der Verkaufsorganisation für die Transaktion VA01 – Kundenauftrag anlegen

ART

# Wert: ART=Lieferart (bspw. LF)

# Funktion: Vorbelegung der Lieferart für die Transaktion VL01N – Lieferung anlegen

 

G. Bitte unbedingt bei zukünftigen Z-Programmen daran denken

Abschließend noch ein wichtiger Hinweis: Falls du zukünftig ein Z-Programm entwickelst oder einen Entwicklungsantrag schreibst, denk daran, dass du evtl. Parameter-IDs berücksichtigst. Damit könntest du für die Usability des Programms bspw. mit folgenden Features steigern:

# Vorbelegung einzelner Felder in der Selektion

# Vorbelegung von Standardselektionsvarianten

# Vorbelegung der Anzeigevariante

 

Wie immer wäre es toll, wenn du ein Feedback hinterlassen könntest, Isa.

2 Kommentare

  1. Hallo Isa,

    vielen Dank für deine Ausführungen unter C). Hier ist mir bei einigen Reports tatsächlich oftmals das Problem aufgetreten, dass ich mir nicht erklären konnte warum Parameter nicht gezogen werden (oder schlimmer dass Parameter genutzt worden sind, ohne dass die Felder eingeblendet waren).

    Als kleine Ergänzung, besonders wenn bestimmte Parameter durch eine Vielzahl von Usern genutzt werden sollen, ist noch, dass neben der Setzung von eigenen Parametern über SU3, SU52 oder zentral durch die Benutzerpflege in der SU01 das Setzen der Parameter ebenfalls durch die Massenpflege über SU10 möglich ist.

    Gerade bei SAP Query bin ich hier sehr froh, dass sowohl AQW als auch AQB als Parameter zentral gesetzt werden können.

    Viele Grüße
    Andreas

    • Hi Andreas,

      wie immer hast du ein Händchen dafür, ein Kommentar mit Mehrwert zu hinterlassen – danke dafür.

      Beim Thema AQW als auch AQB hast du recht; diese Parameter sind fast essentiell sind, wenn man mit SAP-Querys arbeitet.

      AQW – Arbeitsbereich setzen
      (leerer Parameterwert = Standardbereich, Parameterwert = G für globalen Bereich)

      AQB – Benutzergruppe setzen

      cu, Isa.

Bitte hinterlasse ein kurzes Feedback, Isa.

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