Unternehmen müssen in Zukunft viel mehr in SAP-Weiterbildung investieren – Andreas Unkelbach im Interview

Andreas Unkelbach, Buchautor und SAP-CO Inhouse-Berater im TDF-Interview

 

TDF: Hallo Herr Unkelbach, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für Interview genommen haben. Über ihre Internetseite (www.andreas-unkelbach.de) und über ihr Xing-Profil kann man erfahren, dass ihr SAP-Fokus auf den Bereich Controlling liegt. Wie sind Sie an das Thema Controlling gekommen, wie war ihr Einstieg in dieses Thema?


Andreas Unkelbach: Durch meine Studienschwerpunkte Wirtschaftsrecht und Wirtschaftsinformatik hatte ich meinen ersten Kontakt mit SAP über die Vorlesungen „Standardsoftware – Rechnungswesen/ Controlling, Logistik und HR“. Im Laufe meines weiteren Studiums stellte sich für mich die Frage, wo mache ich mein berufspraktisches Semester. Zunächst war meine erste Idee für ein juristisches Internetportal zu arbeiten. Doch letztlich habe ich mich für eine Stelle direkt an der Hochschule entschieden, woraus sich die Möglichkeit für die Diplomarbeit ergab und anschließend meine erste Anstellung im Bereich Controlling in der Haushaltabteilung.

 

Tdf: Damit haben Sie direkt schon während ihres Studiums mit dem Thema SAP-Controlling angefangen?

Andreas Unkelbach: Nee, nicht ganz … zunächst war mein erster richtiger Kontakt in der aktiven Arbeit mit SAP meine Diplomarbeit. Hier lag der Fokus auf dem Berechtigungswesen, und genau beim Thema Berechtigung bekommt man einen umfassenden Blick auf viele Module. In meiner weiteren Entwicklung hat sich dann für mich herauskristallisiert, dass mein persönlicher Fokus auf dem Controlling und dem Berichtswesen liegen, wobei letzteres eine echte Herzensangelegenheit von mir ist.

TDF: Damit hatten Sie ja einen recht stringenten und quasi bruchlosen Übergang vom Studium ins SAP-Berufsleben. Wie bewerten Sie persönlich ihren Werdegang; hätten sie rückblickend etwas anders gemacht?

Andreas Unkelbach: Nach dem Studium hatte ich kurz mit dem Gedanken gespielt in die Beratung zu gehen, doch letztlich habe ich mich dagegen entschieden und habe die Stelle als Inhouse-Berater angetreten. Rückblickend war das genau die richtige Entscheidung, da ich als Inhouse-Berater immer eine große Vielfalt an Themen habe, an denen ich arbeiten kann – als externer Berater ist man hier mehr auf Spezialthemen fokussiert.

 

TDF: Hätten Sie hierzu ein Beispiel, wie die Themenvielfalt aussieht.

Andreas Unkelbach: Ja … das Paradebeispiel ist hier, dass ich an der Hochschule die Möglichkeit habe übergreifend in mehreren Bereichen zu arbeiten oder in Arbeitsgruppen des Competence Center Hessische Hochschulen. Das Competence Center arbeitet fokussiert nur in einem Modul, aber dann wieder übergreifend über alle Hochschulen des Landes Hessen.

 

TDF: Das Thema, dass alle Hochschulen in diesem Bereich so eng vernetzt sind, hört sehr interessant an – hier ergeben sich doch sicherlich Synergien, die sich auf alle Hochschulen positiv auswirken?

Andreas Unkelbach: Natürlich ergeben sich Synergien – hier würde ich aber besonders hervorheben, dass man sich durch die Arbeit mit anderen Hochschulen ein recht großes Netzwerk aufbaut, auf das man jederzeit zurückgreifen kann.

 

TDF: Als ich mir ihre Vita genauer anschaute, erkennt man doch den fachlichen roten Faden, dass Sie viel im Bereich Controlling und Berichtswesen unterwegs sind. Woher stammt ihre Begeisterung für die Themen?

Andreas Unkelbach: Ganz einfach … für mich ist es einer der kreativsten Tätigkeiten, an denen man im SAP arbeiten kann; und zusätzlich kommt hinzu, dass man mit Controlling sehr breit ausgestellt ist. Man greift im Controlling sowohl auf Logistik-, FI- als auch HCM-Daten zurück und hat die Aufgabe zu lösen, den Anwendern oder dem Management aussagekräftige Daten zur Verfügung zu stellen.

 

TDF: Können Sie uns hier ein Beispiel nennen, wo ihre Kreativität gefordert wird?

Andreas Unkelbach: Momentan arbeite ich an der Aufgabe Finanzdaten aufzubereiten und den Usern zur Verfügung zu stellen. Hier stellen sich konkret die Fragen, welche Daten können den Anwendern helfen, und wie können wir die Daten aus verschiedenen SAP-Modulen möglichst per Knopfdruck bereitstellen. Wir haben hierzu mit mehreren Kollegen zunächst an einem Konzept gearbeitet und im Anschluss an einer möglichst kreativen Umsetzung des Konzeptes.

 

TDF: Das bedeutet, ihr Fokus liegt hier in der Umsetzung des Konzeptes – dafür „brennen“ Sie?

Andreas Unkelbach: Richtig, das ist das, was mich am meisten fasziniert … wie bekomme ich am geschicktesten hin, die Daten so zu kombinieren, obwohl sie im Grunde nicht zusammenhängen.

 

TDF: Welche konkreten Tools setzen Sie ein, um die Anforderungen umzusetzen?

Andreas Unkelbach: Im Grunde greife ich auf folgende 3 Tools zurück: Reportwriter, Rechercheberichte und SAP Query. Diese Themen haben mich dabei so sehr gefesselt, dass meine zweite Publikation genau dem Thema Berichtwesen gewidmet ist.

TDF: Ihr Buch zum Thema Berichtswesen ist ja mittlerweile ihre zweite Publikation; wie sind Sie dazu gekommen, Bücher zum Thema SAP-Controlling zu veröffentlichen?

Andreas Unkelbach: Das Projekt ist durch mein eigenes Blog ins Rollen gekommen. Über diesen ist der Verlag auf mich aufmerksam geworden und hat bei mir angefragt, ob ich Interesse an einer Veröffentlichung hätte. Mein erster Gedanke war: Ohhh … großes Thema. Aber ich wusste durch meine Frau, wie positiv sich so eine Veröffentlichung machen kann. Also habe ich mir gedacht, probieren wir es einfach mal. Daraufhin hat mir der Verlag eine Vorlage für ein Buchkonzept mit der Themenvorgabe für ein Einsteigerbuch in CO zu geschickt. Ich habe hierauf dem Verlag meine inhaltlichen Vorstellungen mitgeteilt. Dieser wollte aber im Buch weitere Themen (u.a. Produktkosten-Controlling) behandelt haben. Hier musste ich aber passen, da ich mich in der gegebenen Zeit nicht in die Themen einarbeiten konnte. Hier kam mein Co-Autor Martin Munzel ins Spiel, der vom Verlag vorgeschlagen wurde. Damit haben wir uns das Buch aufgeteilt; Herr Munzel hat die Teile CO-PC und CO-PA übernommen und von mir kam der Anteil CO-OM und das Konzept des Buches.

 

TDF: Was waren Höhen, Tiefen bzw. die Herausforderung beim Schreiben ihres Buches?

Andreas Unkelbach: Primär empfand ich es als die größte Herausforderung den vorgegebenen Zeitplan einzuhalten, was eine ungemeine Disziplin erforderte. Dieser war auf 1 Jahr angesetzt, und ich konnte damals nicht abschätzen, was dieses Jahr bedeutet. Fragen, die mir durch den Kopf gingen, waren: Wie lange werden die einzelnen Phasen dauern, wo kann man sich verheddern, wie lange werden einzelne Kapitel dauern. Als zusätzliche Herausforderung kam hinzu, dass ich neben dem Schreiben auch das Customizing für das System durchführen musste. Ein IDES-System stand uns zur Verfügung, aber trotz dessen, musste ich ein Grund-Customizing aufbauen, dass als Grundlage für das Buch diente.

 

TDF: Und wie ist es in der Praxis ausgegangen; konnten Sie sich an den Zeitplan halten?

Andreas Unkelbach: Hier habe ich mir im Kalender tatsächliche feste Termine gesetzt und versucht diese einzuhalten. Natürlich gab es Passagen, wo ich für zwei bis drei Seiten 4-6 Stunden geschrieben habe, aber letztlich ist doch alles gut ausgegangen.

 

TDF: Wie war das Feedback zum Buch, nachdem es dann veröffentlich wurde?

Andreas Unkelbach: Zu meinem Buch habe ich durchgängig positive Resonanzen erhalten. Das Buch war in 2 Amazon-Kategorien (SAP und Controlling) Bestseller. Auch in meiner täglichen Arbeit ist es gut angekommen. Letztlich habe ich jetzt mit dem Satz „… wie ich schon in einem Buch ausgeführt habe …“ ein unschlagbares Argument in der Tasche, das ich tatsächlich einmal eingesetzt habe (lacht). Natürlich steigert eine Publikation die Bekanntheit ungemein – vor allem in Fachforen (bspw. FICO-Forum in Köln). Aber auch ein kleiner, recht umstrittener Aspekt meines Buches, hat zur Bekanntheit beigetragen: Das Cover mit den Erbsen – nach dem Motto: Controller die Erbsenzähler. Das Cover wurde zunächst kontrovers diskutiert, aber letztlich assoziieren viel Leute mich direkt mit dem Cover.

TDF: Aus ihrer Perspektive und Expertise heraus betrachtet, was sind die Trendthemen in den nächsten fünf bis zehn Jahren in Bereich SAP-Controlling?

Andreas Unkelbach: Es wird in den nächsten Jahren zu einer verstärkten Integration der Systeme kommen. Das sieht man jetzt schon an den Themen Universal Ledger und S/4HANA. Sehr konkret zeichnet sich diese Entwicklung mit der neuen Tabelle ACDOCA ab, die mit S/4HANA nicht nur im Bereich Controlling zum Einsatz kommt. Mit der ACDOCA werden die Informationen aller Hauptbücher und Nebenbücher in einer Tabelle gehalten. Das bringt natürlich Vorteile, aber auch Herausforderungen – in Zukunft müssen sich Controller intensiv Gedanken machen, wie sie ihr Berichtswesen mit diesen Möglichkeiten gestalten. Als weiteres Thema sehe ich das neue Semantic Tagging, mit dem man gewisse Kennzahlen übergreifend definieren kann. Auch hier wird man eine positive Entwicklung im Reporting erleben, sofern man sich damit beschäftigt. Letztlich hat das Thema maschinelles Lernen im Kombination mit der Prognose ein enormes Entwicklungspotential. Hier werden wohl betriebswirtschaftliche Standardsoftanbieter nicht hintenanstehen wollen und ihre Entwicklungen entsprechend vorantreiben.

 

TDF: Sehen Sie neben diesen Themen weitere Entwicklung, die unser direktes Arbeitsumfeld beeinflussen?

Andreas Unkelbach: Ein sehr wichtiger Trend wird sein, dass die Mitarbeiter in Zukunft viel intensiver geschult und weiterentwickelt werden müssen. Gerad mit den anstehenden technischen Veränderungen im SAP-Umfeld müssen die User auch in die Lager versetzt werden, die neuen Möglichkeiten auszuschöpfen – hier werden Unternehmen um das Thema Schulung nicht herumkommen. Natürlich müssen auch die Mitarbeiter vermehrt die Bereitschaft mitbringen sich weiterzubilden.

TDF: Vielen Dank für das Interview.

 


Andreas Unkelbach, Buchautor und Inhouse SAP CO-Berater (www.andreas-unkelbach.de)

 

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